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Die Tücken der Variantenschreibungen

Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung1, das seit dem 1. August 2007 für Schulen und Behörden verbindlich ist, weist – je nach Zählweise – etwa 3 000 Schreibvarianten auf.

Oft entscheidet die Bedeutung über die Schreibweise, zum Beispiel bei sitzen bleiben/sitzenbleiben. Verwendet man es im Sinne von auf dem Stuhl sitzen bleiben, schreibt man getrennt. Handelt es sich um die Bedeutung Die Schülerin wird sitzenbleiben/sitzen bleiben, sind beide Schreibungen möglich.

„Schreibvariante“ im oben aufgeführten Sinne bedeutet, dass ein Wort in zwei Varianten geschrieben werden kann; einen Bedeutungsunterschied gibt es dabei nicht, z. B. selbstständig/selbständig, aufwendig/aufwändig, Potenzial/Potential, kennen lernen/kennenlernen.

Im Alltag des Schreibens kann dies bedeuten, dass beispielsweise die Redakteurin einer Tageszeitung die Variante selbstständig in ihren Texten verwendet, während ihre Kollegin die Schreibung selbständig präferiert. Obwohl beide Kolleginnen korrekt handeln, weist die Tageszeitung rechtschreiblich ein unterschiedliches Erscheinungsbild auf.

Der Agenturbeschluss

Aus diesem Grund haben sich elf von zwölf deutschsprachigen Nachrichtenagenturen2 darauf verständigt, welche Schreibweise in ihren Texten verwendet wird, wenn das amtliche Regelwerk für ein Wort zwei Schreibungen anbietet. Die Schweizerische Depeschenagentur (sda) hat eine eigene Hausorthographie erstellt3.

Dabei haben sich die elf deutschsprachigen Nachrichtenagenturen die Kompetenz der Redaktionen der beiden großen deutschen Rechtschreibwörterbücher Duden4 und Wahrig5 zunutze gemacht. Beide haben im Falle von Variantenschreibungen stets eine Empfehlung ausgesprochen und diese in ihren aktuellen Auflagen6 farbig markiert.

Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen haben diejenigen Wörter erfasst, zu denen Duden und Wahrig Schreibempfehlungen geben. Aus dieser Liste haben sie etwa 1 500 Beispielwörter ausgewählt, um die Schreibungen zu dokumentieren, die sie in ihren eigenen Texten verwenden.

Immer dann, wenn Duden und Wahrig übereinstimmende Empfehlungen geben, haben die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen diese übernommen und in einer etwa 1 000 Wörter umfassenden Liste7 dokumentiert; dies trifft auf etwa 75 Prozent der im amtlichen Regelwerk zugelassenen Varianten zu.

Immer dann, wenn Duden und Wahrig abweichende Empfehlungen aussprechen, haben die Agenturen eigenständig Festlegungen vorgenommen und in einer zweiten Liste8 hinterlegt, die etwa 500 Wörter umfasst. Diese entfallen vor allem auf die Bereiche „Getrennt- und Zusammenschreibung“ sowie „Fremdwortschreibung“.

Die Nachrichtenagenturen betonen, dass alle in ihren Texten verwendeten Schreibweisen dem aktuellen amtlichen Regelwerk Rechnung tragen und in etwa 80 Prozent der Variantenschreibungen diejenige berücksichtigt wurden, die bereits vor der Orthografiereform Gültigkeit hatten.

Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen verfassen ihre Texte seit dem
1. August 2007 auf der Grundlage dieser Hausorthografie.



1 Vgl. www.rechtschreibrat.ids-mannheim.de.
2 Diese sind AFP, AP, APA, ddp, Dow Jones, dpa, epd, kna, reuters und sid, vgl. www.die-nachrichtenagenturen.de.
3 Vergl. www.sda.ch.
4 Duden (Bd. 1). Die deutsche Rechtschreibung, jeweils die aktuelle Auflage.
5 Wahrig. Ein Wort – eine Schreibung, Gütersloh/München 2006.
6 Duden (Bd. 1). Die deutsche Rechtschreibung, jeweils die aktuelle Auflage.
7 Wahrig. Die deutsche Rechtschreibung, jeweils die aktuelle Auflage.
8 Vgl. www.die-nachrichtenagenturen.de.


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