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Die Netzschau durch deutsche Pressegespräche

Interviews, die Sie noch lesen sollten. In KW 44 gefunden auf spiegel.de mit Psychiaterin Kastner, auf welt.de mit Imam Kamouss, auf sueddeutsche.de mit Sexologin Henning und mit Pornodarstellerin „Julia Pink“, auf rp-online.de mit Ex-Knasti Semmelrogge, auf nwzonline.de mit Venylstreichler Bela B und auf stern.de mit Achtziger-Star Holly Johnson

Wer spricht mit wem? Müller-Dofel hat den Durchblick. (Foto: MMD)

Wer spricht mit wem? Müller-Dofel hat den Durchblick. (Foto: MMD)

 

„Andauerndes politisch korrektes Geschwafel erzeugt ein völlig verschrobenes Bild von der Welt.“

Frank Thadeusz von Spiegel online interviewte Psychiaterin Heidi Kastner über den Unterschied zwischen Wut und Aggression, protestierenden Pöbel und die – durch maßlose Freundlichkeit – gestörte Gesellschaft. Warum lesen? Weil der Interviewer deutlich herausgearbeitet hat, was ansonsten verschwommen ist.

 

„Dieser Mann ist ein Satan. Ein Teufel.“

Henryk M. Broder von der Welt am Sonntag sprach mit Imam Abdul Adhim Kamouss, der Ende September bei „Günther Jauch“ rhetorisch clever für allgemeines Erstaunen sorgte. Warum lesen? Weil Broder das Mittel der Interviewverschriftlichung wählte, um Kamouss zu entzaubern und man geradezu spürt, welch unfassbar subjektives Konstrukt Religion ist.

 

„Heute wächst eine Generation heran, die oft zu früh kommt.“

Violetta Simon von der Süddeutschen Zeitung  interviewte die Sexologin und Buchautorin Ann-Marlene Henning über Pornogucker, Sex im Alter und gute Liebhaber. Warum lesen? Weil hier Tabus offen besprochen werden und das Interview voller potenzieller Headlines steckt. Die der Interviewerin: „Wer nicht mehr so schnell vögeln kann, spürt mehr.“ Das lässt doch hoffen!

 

„Jetzt möchte ich mich erstmal auf die Pornos konzentrieren.“

Dario Nassal von der Süddeutschen Zeitung sprach mit Pornodarstellerin „Julia Pink“, die von ihrem Hauptarbeitgeber, der Diakonie in Mittelfranken, fristlos entlassen wurde. Es ging um Doppelleben, Doppelmoral, plötzlich freundliche Nachbarn und berufliche Aussichten. Warum lesen? Weil die Dame bemerkenswert erläutert, wie sie hemmungslosen Sex und katholischen Glauben zusammenbringt.

 

„Sie wollen da schon wieder auf eine gewisse Schiene hinaus.“

Jörg Irsinghaus von der Rheinischen Post wollte mit Schauspieler Martin Semmelrogge über dessen Knastzeit reden – gegen dessen Willen. Irgendwann klappte es sogar – ein bisschen. Warum lesen? Weil Irsinghaus amüsant dokumentiert, wie Journalisten dran bleiben sollten, um ihr Interviewziel zu erreichen.

 

„Ich hör mir das Gejammer in Läden immer an und gehe da durchaus konform.“

Die Nordwest-Zeitung sprach mit Die Ärzte-Schlagzeuger Bela B über sein Engagement als Botschafter der Plattenladen-Woche, die Wärme von Venyl und seine Plattensammlung. Warum lesen? Weil Bela B ein würdiger Vertreter der Generation Platte ist und man nach diesem Gespräch am liebsten eine auflegen würde. (Leider hab‘ ich keine mehr.)

 

„Männer sind einfach nicht mehr in Mode.“

Ingo Scheel vom Stern interviewte Holly Johnson, der als Sänger von Frankie goes to Hollywood in den Achtzigern die Charts gestürmt hatte. Es ging natürlich um die Achtziger, aber auch um seine HIV-Erkrankung, um heutige Stars und um Comebacks früherer Helden. Warum lesen? Weil Johnson es verdient hat und er im Dezember in Deutschland auftritt.

 

* Mario Müller-Dofel ist beim Bildungswerk der Zeitungen verantwortlich für das Serviceportal “Gesprächsführung”.

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